In Freienfels füllen fast 3.000 Aktive das Mittelalter mit Leben. Die Kinder, Frauen und Männer, die alljährlich in Freienfels ihre Zelte aufschlagen, haben die Welt vor 1.000 Jahren zu ihrem Hobby gemacht. Ihr Ziel ist eine möglichst detailgetreue Nachstellung des mittelalterlichen Lebens.

Die aus der experimentellen Archäologie entlehnte und mitunter auch als Laienarchäologie verspottete Darstellung historischer Lebenswelten ist heute – in unterschiedlichen Ausprägungen – unter Begriffen wie Living History, Reenactment, Histotainment oder LARP zusammengefasst. Ihnen allen liegt die Sehnsucht zugrunde, die als „das dunkle Zeitalter“ verschriene Zeitspanne zwischen dem 5. und dem 15. Jahrhundert zu beleuchten.

Die gelebte – und geliebte – Geschichte ist für viele der Darsteller mehr als nur ein Hobby. Sie ist der Gegenentwurf des Alltags und dient der bewussten Entschleunigung. Sie ist der Wunsch, sich das Leben wieder ein Stück weit ursprünglicher zu gestalten. Für die Wahl des Mittelalters als darzustellende Epoche dient mitunter die Tatsache, dass es eines der sagenumwobensten Zeitalter der jüngeren Menschheitsgeschichte ist. Und dadurch in allen folgenden Jahrhunderten Raum für Spekulationen, Legenden und Mysterien bot. Die Nibelungen-Saga, Artus und Excalibur, Barbarossa, die Legende von Robin Hood: Die Epoche der Ritter, Minnesänger und Kreuzzüge weiß über Generationen hinweg zu faszinieren. Und so kommen jedes Jahr Tausende von Aktiven in Freienfels zusammen, um gemeinsam in eine neue Saison „gelebtes Mittelalter“ zu starten, die von am Lagerfeuer geschlossenen Freundschaften, bierseeligen Abenden an langen Tafeln und leuchtenden Kinderaugen genährt wird.